Natascha
möchte nicht erkannt werden. Mittlerweile ist sie clean und
hat gegen ihren Zuhälter vor Gericht ausgesagt. Deshalb suchten
wir gemeinsam mit ihr ein Alter Ego, welches ihr ähnlich sieht,
aber ihre eigentliche Person verbirgt. Das Ergebnis sind die von
Thomas van de Scheck genial umgesetzten Bilder für den Umschlag
und die Promotion des Buches.
Hallo
Natascha. Eine Frage gleich vorweg: Ist Natascha dein Künstler-name
oder dein richtiger Name?
Das ist einer meiner Namen, die ich auf dem Straßenstrich
benutzt habe. Alles, was ein wenig nach Russland klingt, kam gut
an. Und ich mag den Klang dieses Namens.
Warum ein Pseudonym?
Man kann nie genug Pseudonyme haben! Aber ehrlich: Ich bin jetzt
seit gut einem Jahr clean. Meinem ehemaligen Zuhälter wird
der Prozess gemacht und ich versuche, die Schule fertigzumachen,
und habe sogar schon eine Ausbildungsstelle danach. Das will ich
mir nicht kaputt machen. Die Leute sind noch immer sehr ... na ja,
komisch, im Umgang mit Ex-Junkies und Nutten.
Das heisst also, alles, was in deinem neuen Buch steht ist
wahr und autobiografisch?
Ja. Wobei meine Aufzeichnungen ziemlich wirr waren ... ich war halt
auf Drogen. Um da einigermaßen durchzusteigen und das Ganze
einigermaßen in eine chronologische Reihenfolge zu bringen,
brauchte ich Hilfe. Aber das ging nur die Zusammenstellung des Textes
an. Der Rest – so krass sich das auch anhört –
ist wahr.
Respekt
von meiner Seite für so viel Offenheit. Wie kam es zu der Idee,
daraus ein Buch zu machen bzw. alles niederzuschreiben?
Hm, da war eigentlich nie wirklich eine Idee. Ich lese für
mein Leben gern. Auch Sachen von Ubooks habe ich schon immer gern
gelesen. So kam der Kontakt zum Verlag zustande und alles Weitere
ist Geschichte.
Wem würdest du empfehlen, das Buch zu lesen?
Eine gute Frage. Wer soll das Buch lesen? Junge Mädchen, die
Stress mit ihren Eltern haben. Eltern, die Stress mit ihren Kindern
haben, alle, die Stress haben. Männer, die auf den Straßenstrich
gehen: Vielleicht begreifen die dann, dass das Sklaverei pur ist,
Ausbeutung, egal wie man es nennt.Ich meine, schaut mich an: Ich
bin kaputt. Ich gehe regelmäßig zur Therapie, muss alle
paar Tage ein Screening machen, um zu beweisen, dass ich noch immer
clean bin, und muss um jeden Tag, um jede Sekunde kämpfen.
Dabei nützt mir die Bewunderung anderer gar nichts. Das ist
Schwachsinn. Für jede, die es schafft, ertrinken zehn in dem
Sumpf aus Drogen und Straßenstrich.
Wie lebst du heute mit dieser Vergangenheit?
Ich habe nun einmal diese Vergangenheit. Das zu leugnen wäre
Blödsinn. Aber langsam begreife ich, dass es mir besser geht
ohne Drogen. Aber das ist schwer. Denn wenn du high bist, geht es
dir tausendmal besser, als wenn du keine Drogen nimmst ... es geht
dir dann auch zehntausendmal beschissener, wenn du runterkommst,
aber das verdrängt man gerne. Als Ex-Junkie ist das Leben ein
harter Kampf. Jede Sekunde des restlichen Lebens.
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Schule schaffen, Ausbildung machen und Geld verdienen für eine
eigene Wohnung und die passende coole Einrichtung. Und eine Familie,
am besten mit Kindern, die mich lieb haben ...

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